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Tunesien verfügt nur über einen Backbone, der zudem wie ein Backbone gestaltet ist (und nicht z.B. als redundante Ringleitung), zudem erfolgt die Anbindung an das Internet über nur einen Anschlußpunkt in Tunis. Die Folgen dieser Infrastruktur sind u.a., daß bei einer Störung mit weitgehenden Einschränkungen des Internetzuganges gerechnet werden muß und daß bei einer hohen Auslastung die theoretisch denkbaren Geschwindigkeit des Zuganges auch nicht nur annährend erreicht wird. Insbesondere in den Zeiten von ca. 10:00-01:00 Uhr ist damit zu rechnen, daß mittlere und große Einschränkungen bei der erzielbaren Geschwindigkeit und Konnektivität bestehen, während in den frühen Morgenstunden die Leitungen fast immer uneingeschränkt funktionieren. Einschränkungen sind auch bei "Unwettern" denkbar.
Tunesien hat eine wirkungsvolle Zensur des Internetzugriffes, die über die Bündelung des gesamten Internetvekehrs durch eine Zentrale in der Nähe von Tunis (ATI) realisiert wird und sowohl auf DNS- als auch auf IP-Basis filtern kann. Inbesondere Websites mit "Nacktbildern" (auch z.B. die BILD-Zeitung oder das STERN-Magazin), sowie Websites von Menschenrechtsorganisationen und politischen Kritikern an der tunesischen Regierung, sowie Video-Community-Seiten wie YouTube oder Dailymotion, können aus Tunesien nicht aufgerufen werden. Zudem wurde der Zugang zu zahlreiche tunesischen Blogs mit systemkritischem Inhalt und Seiten mit unzensierten Nachrichten aus Tunesien gesperrt. Ein neues Gesetz aus dem Jahre 2010 verbietet jegliche Publikation von Inhalten, die den Interessen des tunesischen Staates zuwiderlaufen sowie die Weitergabe derartiger Informationen an nichttunesische Organisationen. Bereits zuvor war die Publikation von "Gerüchten, die den Interessen des tunesischen Staates schaden" untersagt. Zuwiderhandlungen werden, Berichten zufolge, streng verfolgt und bestraft. Auch wenn es bisher nicht zu Aktionen gegen nicht-journalistische Tunesienreisende kam, ist beim Gebrauch des Internets (wie auch des Telefons) in Tunesien diesbezüglich Vorsicht und Zurückhaltung empfohlen! Für einen Gebrauch des Internets in derselben Weise, wie man es z.B. aus Deutschland gewohnt ist, sind tunesische Internetzugänge, in mehrfacher Hinsicht, nur bedingt geeignet! |
In allen Städten und Ortschaften gibt es öffentliche Internetzugänge, die "Publinet" heißen. Publinet-Internetzugänge sind öffentlich gefördert und müssen einen Zwangs-Proxy nutzen, der sämtliche Ports mit Ausnahme des IRC- und HTTP-Ports herausfiltert, zudem soll es angeblich Regelungen geben, nach denen die Betreiber "verdächtige" Aktivitäten der Benutzer den Autoritäten melden sollen. Definitiv müssen sich aber die Benutzer eines Publinets ausweisen und ihre Namen müssen vom Betrieber listenmäßig erfaßt werden. Die Stunden-Preise in Publinets liegen bei 1,5 - 3 Dinar / Stunde. Wegen der durch starke Nutzung beschränkten Bandbreite sind die Publinets für die Internet-Telephonie oder Durchsatz-intensive Anwendungen zeitweise nur bedingt geeignet. Neben den Publinets gibt es, speziell in Touristengebieten und größeren Städten, noch zahlreiche private Internetcafes, vorwiegend in Hotels; diese Zugänge werden über einen privaten Internetanschluß des Hotels/Betreibers realisiert und unterliegen NICHT dem Proxyzwang der Publinets - dafür aber verlangen die Betreiber vom Benutzer auch Preise von bis zu 12 Dinar pro Stunde. Diese Zugänge eignen sich meist auch zur Internet-Telephonie und -videophonie und direkten Nutzung von z.B. FTP, POP, Filesharing oder Telnet und sind oft auch mit WLAN-Möglichkeiten versehen.
In den Küstenregionen und den Großstädten stellt der Mobilfunkanbieter Tunisiana für Prepaid-Karten einen Internetzugang über GPRS/EDGE zur Verfügung. Dieser Zugang kostet für 30 Tage bei einem Maximaltransfervolumen von 3GB (je nach dem, was zuerst erreicht wird), einen Pauschalpreis von 39 Dinar, die erreichbaren Durchsatzraten schwanken zwischen 12 und 25kbyte, was etwa einem DSL-Zugang von 128k-256k entspricht. Interessant wird dieses Angebot dadurch, daß bei Prepaid-Karten "Awal" ab einem monatlichen Verbrauch von 25 Dinar die Hälfte des Verbrauches gutgeschrieben wird, so daß also der Internetzugang effektiv nur 20 Dinar/Monat kostet und somit preisgünstiger als ein vergleichbarer DSL-Zugang ist - vom Vorteil der Mobilität ganz abgesehen. Erkauft wird dies durch eine systembedingt hohe Latenzzeit, so daß ein Mobilzugang z.B. für Spiele nicht geeignet ist, zudem stellt Tunisiana auch keinen SMTP/POP-Server zur Verfügung und blockt darüberhinaus den SMTP-Port, doch wer damit leben kann bzw. diese Optionen nicht benötigt, erhält einen passablen Internetzugang zu einem günstigen Preis. Daneben bieten sowohl Tunisiana, als auch Tunisie Telecom einen Internetzugang für Postpaid(Vertrags)karten an. Da aber diese Mobilfunkverträge fast nur für Firmen vorgesehen sind, bleiben diese Möglichkeiten hier unberücksichtigt (der jeweilige Preis ist jedoch ähnlich). Die Telefongesellschaft Orange bietet seit 2010 einen mobilen Internetzugang per 3G und mit passablen Datenraten an. Dieses Angebot setzt jedoch einen Vertragsbindung für 24 Monate (mit 6-monatiger Vorauszahlung) voraus, so daß es keine Alternative zum Tunisiana-Angebot darstellt. |
Zur Zeit gibt es 5 DSL-Zugangsanbieter in Tunesien. Alle benutzen dasselbe Leitungsnetz der TunisieTelecom und die Leistungen sind durchweg identisch, so daß bei der Wahl eines Anbieters lediglich der Preis und die Verfügbarkeit am jeweiligen Wohnort eine Rolle spielen. Eine Übersicht über die angebotenen Leistungen zeigt die untenstehenden Tabelle. Alle DSL-Zugänge sind ADSL-Zugänge, die dem Standard/Protokoll ADSL2 mit PPPoA entsprechen; eventuell aus Deutschland mitgebrachte DSL-Modeme können also nur dann verwendet werden, wenn die dafür ausgelegt sind - ansonsten kann man Modeme jedoch in Tunesien bei jedem Provider zu akzeptablen Preisen kaufen. Die Voraussetzung für einen DSL-Zugang ist eine bestehende Telefonleitung der TunisieTelecom, die demselben Besitzer gehört. Es ist hierbei völlig unerheblich, ob es sich dabei um eine "Prepaid"-Leitung (mit Telefonkarten) oder eine "Postpaid"-Leitung (mit monatlicher Rechnung) handelt, wichtig ist nur, daß es eine Leitung gibt, über die dann die Daten übertragen werden können. Für diese Leitung läßt man sich dann bei der Telecom ein Formblatt geben, mit dem man dann bei einem DSL-Provider einen Internetzugang bestellen kann. Die übliche Einrichtungszeit dafür liegt bei 1-2 Wochen. Internet-Zugänge sind, zumindest in den bevölkerungsreichen Regionen, fast überall erhältlich - man sollte jedoch unbedingt den Provider zunächst fragen, ob an der gewünschten Adresse/Telefonnummer kurzfristig auch freie Kapazitäten zur Verfügung stehen, und es sich vorbehalten, vom Vertrag zurückzutreten, falls der Internetzugang nicht zu einem vereinbarten Zeitpunkt funktionsfähig zur Verfügung steht!
Im Jahre 2010 fand in Tunesien ein Konzentrationsprozeß statt, bei dem die tunesischen Telefongesellschaften fast sämtliche Internetprovider aufkauften. Die Besitzverhältnisse stellen sich nunmehr wie folgt dar: Tunisie Telecom: Topnet, Tunet Tunisiana: Hexabyte Orange: Planet Für den einzig noch verbliebenen unabhängigen Provider GlobalNet wird erwartet, daß er in absehbarer Zukunft zur Tunisie Telecom gehören wird. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Private Internet
ADSL-Zugänge (Hausanschlüsse)
Preisbeispiele vom August
2010
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= In der Tabelle angegeben ist die jeweilige Downstream-Geschwindigkeit
des Zuganges, die Upstream-Geschwindigkeit beträgt meist die
Hälfte davon, alle Angebote sind in Bezug auf den Traffic
(Menge
der übermittelten Daten) unlimitiert. Neben
diesen normalen Angeboten verfügen alle Provider auch noch
über spezielle Tarife, die den Zugang nur nachts, oder nachts
mit
höherer Geschwindigkeit, oder nur in den Schulferien,
erlauben,
darüberhinaus gibt es zuweilen auch Koppelangebote,
2-Jahres-Verträge und spezielle Aktionsangebote, die zeitlich
begrenzt sind. Insofern ist es uns unmöglich geworden, noch
eine aktuelle Preisübersicht darzustellen, und die obige
Tabelle kann nur als momentanes Beispiel gelten. Mit anderen Worten: in Tunesien versuchen es die Provider mittlerweile, ebenso wie in Europa, potentiellen Kunden den einfachen Vergleich der aktuellen Preise zu erschweren. ** = nur bei jährlicher Vorauszahlung Die
obenstehenden Preise gelten für Privatanschlüsse. Firmenanschlüsse
verfügen zwar durchweg über dieselben
Spezifikationen, liegen
aber preislich bis zu 50% höher und schließen meist
auch
noch Webspace für eine Homepage mit ein. Der
Webspace wird
dabei auf tunesischen Servern der Provider bereitgestellt und
ist
daher wegen der relativ langsamen Außenanbindung Tunesiens
nur
sehr beschränkt für internationale
Angebote/Zugriffe geeignet.
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