TunisPro

Nepp und Betrug in Tunesien

Günstige Preise - Bitten um Hilfe - Belästigungen - Bezness




Der Betrug an Touristen ist in den tunesischen Touristengebieten weit verbreitet und hat vielfältigste Ausdrucksweisen. Mit "weit verbreitet" ist hier ein zwar insgesamt geringer, doch in Touristengebieten sehr hoher, Prozentsatz gemeint, der es bewirkt, daß früher oder später jeder Tunesienreisende mit Sicherheit darauf stoßen wird.

Günstige Preise und Hilfe

Es beginnt in vielen Fällen damit, daß ein Hotelangestellter auf einen Gast zutritt oder im Gespräch ihm irgendein besonderes Angebot macht bzw. empfiehlt, einen Freund oder ein Familienmitglied aufzusuchen, um dort zu besonders günstigen Preisen etwas zu kaufen.

Bitte beachten Sie: Sämtliche dieser Angebote, ausnahmslos, sind überteuert und es verdienen daran nicht nur der "Freund", sondern auch noch der Schlepper (also der Vermittler). Die Erlangung von "Provisionen" für irgendetwas, was man für einen anderen tut (namentlich das Zuführen von Kunden) ist in Tunesien an der Tagesordnung, und der Kunde zahlt letztlich die Provision über den erhöhten Kaufpreis mit.

Arbeitet jemand nicht in einem Hotel, so greift er gerne zu dem Trick, einfach auf der Straße einen Touristen anzusprechen und sich als Angestellter des Hotels auszugeben ("kennst Du mich nicht, ich bin doch der Kellner in Deinem Hotel").

Nach kurzer Zeit des Gespräches folgt dann bereits das Angebot, etwas zu verkaufen, etwas zu zeigen oder bei etwas behilflich zu sein, zuweilen auch direkt die Klage über Arbeitslosigkeit, schlechte Lebensverhältnisse oder offene Rechnungen in der Erwartung, daß der Tourist Mitleid zeigt.

Es gibt in der Tat Personen, die es ehrlich meinen und nicht primär auf den eigenen Vorteil bedacht sind, wenn sie von sich aus ein Gespräch mit Touristen suchen - doch auf diese zu treffen, ist in den Touristenzonen etwa so wahrscheinlich, wie einen Volltreffer im Lotto zu erzielen.
Ein normaler Tourist ohne eingehende Landes- und Menschenkenntnis sollte sich daher niemals der Illusion hingeben, daß ausgerechnet ihm dies widerfährt!

Umgekehrt - bittet ein Tourist um Hilfe, so sollte er bereit sein, früher oder später einen Betrag dafür zu zahlen. Das gilt sogar in Fällen, wo gar keine Hilfe gewünscht ist. So kann es durchaus vorkommen, daß sich ein hilfreicher Kofferträger am Flughafen einen Koffer schnappt und damit loszieht, auch ohne dazu aufgefordert zu sein, dennoch wird er für seine "Hilfeleistung" eine Entlohnung fordern, ebenso hilfreiche Personen, die sich anbieten, dem Touristen einen Weg oder eine Sehenswürdigkeit zu zeigen, oder dies auch ohne Aufforderung tun.
Man sollte sich als Tourist da nicht in eine Zwangslage manövrieren lassen und für unerwünschte Hilfe nichts zahlen - und dies auch lautstark zum Ausdruck geben.


Kein Bargeld!

Häufig wird Hilfe erbeten, weil ein Familienmitglied, oft Vater, Mutter oder Kind angeblich krank ist oder eine manchmal "plötzliche" oder "dringende" Krankenhausbehandlung benötigt.
Man sollte, falls man hier helfen will, grundsätzlich darauf bestehen, den angeblichen Kranken persönlich aufzusuchen und etwaige Rechnungen unbedingt(!) persönlich beim Arzt, im Krankenhaus oder in der Apotheke zu zahlen und sich dabei beiläufig über die Krankengeschichte informieren.
So gut wie jeder Arzt und Apotheker in Tunesien spricht zumindest englisch, alle sprechen französisch.

In gar keinem Falle dagegen, niemals, sollte man dem Hilfesuchenden für einen solchen Zweck Bargeld in die Hand geben oder zusenden!

Zuweilen wird auch darum gebeten, jemandem eine Summe Geldes zu leihen, immer mit dem Versprechen, dies schon bald zurückzugeben oder -zusenden (was aus Tunesien heraus übrigens gesetzlich nicht möglich ist).
Hier gilt eine einfache Regel ohne Ausnahme: Geld, egal wie viel, das man einmal aus der Hand gegeben hat, ist verloren - man wird es niemals wieder zurückerhalten!
Gibt man also jemandem Geld, so muß man es immer als eine "Schenkung" betrachten - ist man dazu nicht bereit, so darf man kein Geld geben!

Gerade, wenn es um größere Summen geht ist zudem zu beachten: Kein Geld ohne Vertrag (und zwar einen beurkundeten, dafür gibt es in Tunesien in jeder Stadt Büros des Staates, die dies zu Kosten eines einstelligen Eurobetrages offiziell durchführen) mit genauer Zweckbestimmung und Zahlungsmodalitäten - schon mehr als ein Tourist, mehr als hunderte, haben auf diese Weise Geld verloren, das für eine Wohnung, ein Haus, eine Wohnungseinrichtung oder Geräte gedacht war, die ein hilfreicher Freund besorgen wollte! Tunesische Polizisten und Gerichte betrachten Geldzahlungen ohne Vertrag gerne als "Schenkung" - deshalb: niemals ohne Vertrag!


Belästigungen

In den letzten Jahren beklagen sich Touristen immer öfter über die zunehmende Aggressivität der Händler in Tunesien, von denen man nicht selten verfolgt oder in den Laden geschoben/gezogen wird.

Auch ein "Nein" oder Stillschweigen wird von ihnen als Einladung für noch stärkere Dampfplauderei oder gar unfreundliche Kommentare (oft auf arabisch, so daß ein Tourist sie nicht versteht) verstanden.

Falls Ihnen dies wiederfährt, dann handeln Sie nicht wie ein Europäer, sondern wie ein Tunesier:

Lassen Sie sich nicht beeindrucken, verbitten Sie sich ungebetene Körperkontakte bestimmt und mit ärgerlichem Gesichtsausdruck.
Läßt ein Händler überhaupt nicht locker, so rufen Sie ihn mit lauter, ärgerlicher Stimme zur Ordnung - welche Sprache man dabei verwendet, ist völlig egal, es kommt lediglich darauf an, daß öffentliche Aufmerksamkeit erregt wird.

Derselbe Tip gilt auch für Belästigungen von Frauen - je lauter und eindeutiger eine Ablehnung stattfindet, desto wirksamer ist sie und desto schneller wird sie befolgt.


Liebe und Bezness

Speziell im Zusammenhang mit Liebesbeziehungen zu Tunesiern gibt es oft Betrugsabsichten zur Erlangung von Visum, Geld oder anderen Vorteilen. Dieses Phänomen wird auch als Bezness bezeichnet.

Übrigens: auch wenn Sie als Leser oder Leserin dieser Zeilen ja "nur" einen Urlaub in Tunesien verbringen wollen, sollten Sie dennoch die Hinweise zu Bezness lesen und beachten - denn erfahrungsgemäß werden gerade diejenigen davon betroffen, die ohne jede Absicht auf einen Flirt oder eine Beziehung nach Tunesien kommen.
Wohlgemerkt - wir reden hier nicht vom "Sextourismus", sondern von ganz normalen Urlaubern, die ohne Vorsatz eine Beziehung mit einem Tunesier beginnen und sich dabei in einem Netz von kulturellen und gesellschaftlichen Andersartigkeiten verstricken oder das Opfer einer nicht auf "Liebe" gerichteten Anbahnung einer Beziehung werden. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht niedrig - seien Sie vorbereitet!

Lesen Sie auch, für weitere Hinweise zu Nepp und Betrug an Touristen:

Einkaufen in Tunesien

Ehre und Gesicht in Tunesien

Freunde in Tunesien



(c) 2006-2017 TunisPro