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| Der Straßenverkehr in Tunesien, Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen | ||||||||||||||
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Im
ganzen Jahr 2012 war die Sicherheitslage in Tunesien nach dem
Aufstand zu Beginn des Jahres 2011 noch problematisch und wird es wohl auf absehbare Zeit auch bleiben. Dieser Artikel bezieht sich ausdrücklich auf "normale" Verhältnisse, die in einigen Landesteilen derzeit eher selten anzutreffen sind! Bitte beachten Sie für Fahrten in Tunesien unbedingt unsere aktuellen Hinweise zur Sicherheitslage in Tunesien und die aktuellen Nachrichten im Tunesien Forum!
Die Verkehrsregeln in Tunesien entsprechen im wesentlichen denen in Europa - die Verkehrsrealität allerdings mitunter gar nicht. Dennoch – ein umsichtiger Fahrer wird auch in Tunesien nur wenige Probleme haben, ein Fahrzeug unbeschadet durch den Verkehr zu bewegen. Obwohl vielen Tunesien-Besuchern Wörter wie "Chaos" oder "lebensmüde Fahrer" auf der Zunge liegen, ist die Wirklichkeit nur halb so wild. Die meisten Urlauber-Erfahrungen im Straßenverkehr von Tunesien rühren vom Mitfahren in Taxis oder Autobussen oder als Fußgänger her und sind normalerweise eher oberflächlich. Zwar gibt es, wie oben gesagt, auch in Tunesien Verkehrsregeln, doch in der Realität werden diese von allen Verkehrsteilnehmern mehr oder weniger nicht beachtet. Das ist im Prinzip auch kein Problem, wenn man es weiß - doch der Urlauber aus Europa, speziell aus Deutschland, erwartet auch in Tunesien besondere Ordnung im Straßenverkehr. Auf der anderen Seite, um bei der deutschen Gesetzgebung zu bleiben, sind viele der Paragraphen der deutschen Straßenverkehrsordnung eher auf Disziplinierung der Verkehrsteilnehmer, als auf eine praktische Regulierung ausgelegt. Diese Disziplinierung ist so weit ausgereift, daß ein Deutscher selbst mitten in der Nacht auf einer menschenleeren Straße das Rot einer Lichtzeichenanlage beachtet, was bei ausländischen Besuchern, selbst aus europäischen Staaten, meist für große Heiterkeit sorgt. Nicht so in Tunesien - hier gibt es zwar Regelungen, doch werden die von allen Verkehrsteilnehmern (und der Polizei) auch an ihrer praktischen Brauchbarkeit in der jeweiligen Situation gemessen. So ist es durchaus nicht ungewöhnlich in Tunesien, daß auf einer zweispurigen Straße die Autos in vier Spuren fahren, daß bei einer Blockierung der Straße sich die Autos wie bei einer Ameisenstraße blitzschnell einen neuen Weg, notfalls auch über Bürgersteige und Brachland, suchen, daß Ausweichmanöver quer über die Straße stattfinden können, daß Einbahnstraßen in beiden Richtungen durchfahren werden und eine Lichtzeichenanlage (Ampel) nur dann Beachtung findet, wenn noch andere Fahrzeuge in der Nähe sind. Die Straßen in Tunesien werden gleichzeitig von Lastwagen, Autobussen, Personenwagen, Pferdekutschen, Eselkarren, Fahrradfahrern, Motorradfahrern, Go-Karts, vierrädrigen Geländemotorrädern (Quads), Motor-Rikschas (Tuk-Tuk), und mehr oder weniger freilaufenden Menschen und Tieren benutzt. In der Nacht sind diese tunesischen Verkehrsteilnehmer dann entweder beleuchtet, teilbeleuchtet (nur vorne, nur hinten, nur eine Seite, etc.) oder gar nicht beleuchtet. Dies sorgt dafür, daß man in Tunesien nur "hellwach" am Verkehr teilnehmen sollte, denn man muß ständig die anderen Verkehrsteilnehmer beobachten und ihre möglichen Verhaltensweisen extrapolieren - wobei einige Verkehrsteilnehmer hier über einen schier unerschöpflichen Einfallsreichtum verfügen, der auch vor dem unvermittelten Halten und Parken mitten auf einer Durchgangsstraße nicht halt macht. Auch der Beobachtung der Straßenoberfläche und der anliegenden Häuser muß man in Tunesien Beachtung schenken, will man nicht als Autofahrer mit seinem Kleinwagen in einem Schlagloch verschwinden, nach elegantem Sprung mit seinem Auto mitten in einer nicht ausgeschilderten Baustelle landen, oder als Fußgänger oder Zweiradfahrer (oder Cabrio-Lenker) durch eine Hausfrau, die ihre Etagenwohnung wäscht und das Wasser über den Balkon auf die Straße ableitet, geduscht werden. Durch dies alles, so sollte man meinen, würde die Teilnahme am Straßenverkehr in Tunesien besonders gefährlich werden - doch das Gegenteil ist der Fall. Anders als z.B. in Deutschland, wo sich jeder darauf verläßt, daß sich andere an Regelungen halten und entsprechend unbesorgt daherfährt oder die Straße überquert, verhält man sich in Tunesien stets vorsichtig und mißtrauisch gegenüber anderen, was zu einer ständigen Brems- und Ausweichbereitschaft führt. Allerdings rechnet auch jeder damit, daß sich der andere zumindest rational verhält und z.B. nicht vor einem herannahenden Auto plötzlich die Straße überquert (auch nicht auf einem Zebrastreifen), bei der Straßenüberquerung oder dem Autofahren nicht unvermittelt stehenbleibt oder die Richtung ändert oder ohne triftigen Grund z.B. stark abbremst (Stopschildern und Ampeln allein sind kein triftiger Grund, doch Straßenschwellen dagegen sind es!). Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, wird man in Tunesien problemlos zu Fuß selbst vielbefahrene Straßen überqueren und als Autofahrer ohne ständiges Anhalten den Stadtverkehr meistern können.
Bitte lesen Sie unsere kommentierte Übersicht der wichtigsten tunesischen Verkehrszeichen. |
Ein
spezielles Merkmal des Straßenverkehrs in Tunesien ist der
häufige
Gebrauch der Autohupe. Sie wird bei allen möglichen Gelegenheiten betätigt, um andere Verkehrsteilnehmer zu größerer Eile aufzufordern, um Bekannte zu grüßen und auch, um potentielle Fahrgäste auf einen freinen Platz in einem Sammeltaxi in Tunesien oder Taxi aufmerksam zu machen (nachts mit Lichthupe). Was genau gemeint ist, erschließt sich meist aus der aktuellen Situation, in manchen Fällen aber auch nie...
Diejenigen, die noch über keine oder nur wenig Fahr-Erfahrung in Tunesien verfügen, sollten auf Überlandfahrten bei Nacht verzichten und generell ab Einbruch der Dunkelheit erhöhte Vorsicht walten lassen, da stets mit schlecht, aber auch mit völlig unbeleuchteten Fahrzeugen (und Tieren) zu rechnen ist, die auch auf Autobahnen unterwegs sein können. Zudem ist nachts, speziell in Gegenden mit regem Nachtgeschäft, mit angetrunkenen Fahrzeugführern und Fußgängern zu rechnen. Zweiradfahrer in Städten fahren tagsüber gar nicht und nachts nur sehr selten mit Licht. Seit dem Jahre 2011 ist die Lage in Tunesien diesbezüglich unsicher, man sollte auf Nachtfahrten in Tunesien außerhalb von Städten verzichten!
In den Innenstädten und an Märkten gibt es Parkplätze, die privat bewirtschaftet werden. Hier wird in den meisten Fällen eine Gebühr von 500 Millimes für das Parken erhoben, die beim Abstellen des Fahrzeuges entrichtet werden muß. Parkuhren oder Parkscheiben sind in Tunesien weitgehend unbekannt.
Oftmals sieht man an Fernstraßen Anhalter stehen, oft auch Polizisten oder Soldaten. Auch, wenn man natürlich grundsätzlich beim Mitnehmen von Anhaltern Vorsicht walten lassen muß, so stellen sie dennoch kein wesentliches Risiko dar, da "Anhalten" in Tunesien durchaus normal ist. Seit dem Jahre 2011 ist die Lage in Tunesien diesbezüglich unsicher, man sollte auf das Mitnehmen von Anhaltern unbedingt verzichten!
Es gibt in Tunesien in jedem größeren Ort mindestens eine Tankstelle, die jedoch nachts meist geschlossen hat. Üblicherweise sind an Tankstellen bleifreies und bleihaltiges Benzin und Diesel, nur sehr selten auch Gas, erhältlich, es kann jedoch vorkommen, daß eine Sorte gerade ausverkauft ist. Speziell bei Nachtfahrten und bei Überlandfahrten sollte man sich nicht darauf verlassen, jederzeit eine geöffnete Tankstelle zu finden und entsprechend frühzeitig nachtanken. Fast alle Tankstellen sind Service-Tankstellen, bei denen es keine Selbstbedienung gibt, sondern der Tankwart das Benzin einfüllt und auch andere kleine Dienstleistungen (Öl, Luftdruck, Wasser, Scheibenreinigung) anbietet. Anders als in Europa, sind Tankstellen in Tunesien nur in Ausnahmefällen "Supermärkte", es gibt also normalerweise dort weder Zigaretten, noch Eßwaren oder Zeitschriften, sondern nur Benzin, Öl und Gas (Gasflaschen für den Gasherd).
Die beiden Autobahnen Tunis - Sousse - Sfax und Tunis - Beja sind Mautstraßen und es muß bei ihrer Benutzung eine Gebühr entrichtet werden, die entweder bei der Einfahrt in und/oder bei der Ausfahrt aus der Autobahn fällig wird. Die Gebühren sind so niedrig, daß das Ausweichen auf Landstraßen nicht sinnvoll ist. Die 150km-Strecke von Tunis nach Sousse kostet beispielsweise nur etwa 2 Euro.
In Tunesien ist es verboten, unter Alkoholeinfluß ein Fahrzeug zu führen (0-Promille-Grenze). Ebenfalls verboten ist das telefonieren am Steuer, wobei dieses Verbot jedoch durchgängig nicht beachtet wird. Es besteht zwar auf den Schnellstraßen auf den Vordersitzen eines Autos Anschnallpflicht und der Fahrer eines Motorrades muß einen Helm tragen – doch auch diese Verbote werden oft mißachtet. Für Kinder sind weder Kindersitze noch der Aufenthalt auf den Rücksitzen vorgeschrieben. Motorräder können auch zu dritt gefahren werden und auf der Rücksitzbank eines Autos sorgen vier oder fünf Personen nicht für Stirnrunzeln. Nicht selten sieht man auch Personen und Tiere auf der Ladefläche eines LKWs oder Pick-Ups - oder Personen, die im Laderaum eines Kleintransporters mitfahren. |
Stehende Verkehrskontrollen durch uniformierte Polizei finden in Tunesien sehr häufig statt, meistens an Kreisverkehren. Europäische Fahrer werden meist durchgewunken oder können nach einer kurzen Überprüfung der Mietwagenpapiere weiterfahren - sitzen allerdings tunesische Staatsbürger mit im Wagen, werden von diesen die Personalien kontrolliert und es wird gefragt, warum sie im Wagen mitfahren. Die Polizisten beobachten herannahenden Fahrzeuge und achten dabei typischerweise auf zu hohe Geschwindigkeit und das Telefonieren am Steuer - beides sind also Verhalten, die man vor Kreisverkehren tunlichst unterlassen sollte. Es finden auf den tunesischen Straßen zunehmend, und zwar sowohl auf Stadtstraßen, wie auch auf Landstraßen und Autobahnen, Geschwindigkeitskontrollen statt, die entweder durch Handstoppung, Laserpistole oder Radarüberwachung durchgeführt werden (durchweg versteckt). Hinter der Überwachungsstelle werden die Fahrer dann sogleich angehalten. Auch wenn ein Europäer bei einem Verstoß meist nicht belangt wird und nach einer mündlichen Verwarnung weiterfahren kann, sollte man sich darauf nicht verlassen. In der Hauptstadt Tunis mit ihrem massiven Verkehrsaufkommen werden die Verkehrsregeln strenger ausgelegt als im Rest von Tunesien, und ein Verhalten, daß anderswo unbeanstandet bleibt, kann in Tunis zu einem Strafzettel führen, z.B. das Einfahren in eine Kreuzung bei "Gelber Ampel". Bei Kontrollen werden grundsätzlich die Mietwagenpapiere verlangt, oder, bei selbst mitgebrachten Fahrzeugen, die Verkehrserlaubnis (die man bei der Einreise beim Zoll erhalten hat). In manchen Fällen wollen die Polizisten auch den Führerschein und die Versicherungspapiere des Wagens sehen, ganz selten darüber hinaus auch noch den Reisepaß (außer bei mitreisenden tunesischen Staatsbürgern, die müssen sich immer ausweisen und Fragen beantworten). In extrem seltenen Fällen schauen die Polizisten auch in den Kofferraum oder wollen etwa mitzuführende Gerätschaften sehen (Warndreieck etc.). Falls dies der Fall ist, hat man wahrscheinlich die Polizisten irgendwie geärgert und die Kontrolle kann dann durchaus etwas länger dauern... Da unbotmäßiges Verhalten gegenüber Polizisten strafbar ist, sollte man bei einer Kontrolle Provokationen durch Handzeichen, großspuriges Verhalten oder lautes Reden vermeiden, man könnte nämlich auf einen Polizisten treffen, der Europäer nicht mag und an ihnen ein Exempel statuieren will - oder sogar an den etwaigen mitreisenden tunesischen Staatsbürgern. Seit dem Jahre 2011 ist die Lage in Tunesien diesbezüglich unsicher, man kann auch auf Kontrollstellen des Militär und von Bürgerwehren treffen - und im Extremfall auf welche krimineller Banden, speziell nachts!
Bei Unfällen sollte man stets die Polizei verständigen, auch wenn es sich nur um einen Blechschaden handelt und die Polizei, wenn sie dorthin kommen soll, sich beschweren wird. Unfälle ohne Personenschaden werden meist ohne Polizei, lediglich durch Ausfüllen eines Unfallberichtes per Formblatt und dem Einsenden an seine Versicherung "geregelt" - als Europäer ist man allerdings oft nicht der Sprache des Unfallgegners mächtig, so daß das Rufen der Polizei für eine gewisse Sicherheit und Unterstützung sorgen kann. Fährt man einen Mietwagen in Tunesien, muß man unbedingt sofort den Vermieter verständigen, der, falls der Unfallort in der Nähe liegt, selbst dorthin kommen wird, bzw. für einen etwa notwendigen Abtransport eines fahruntüchtigen Wagens sorgen wird. Das Anfertigen von Unfallphotos ist empfehlenswert, keinesfalls sollte man jedoch ein Schuldanerkenntnis unterschreiben, das gerne in einem Unfallbericht "versteckt" wird - es sei denn, die eigene Schuld steht zweifelsfrei fest. Auch wenn die Schuld beim Unfallgegner liegt, wird der zuweilen versuchen, dennoch seinen eigenen Schaden bezahlt zu erhalten und z.B. damit argumentieren, daß er kein Geld für die Reparatur hat, der Europäer aber doch reich wäre und es ihm nichts ausmachen würde, sich an den Kosten zu beteiligen. Vielfach werden Umstehende einem europäischen Fahrer die Schuld an einem Unfall geben - in allen diesen Fällen sollte man trotzdem ruhig und bestimmt bleiben, kein Geld bezahlen und entweder die Unterstützung durch die Polizei oder den Mietwagenverleiher abwarten.
Im Süden (Sahara) und Westen (algerische Grenze) Tunesiens gibt es Straßen, die gesperrt sind oder nur unter bestimmten Voraussetzungen befahren werden dürfen oder sollten. Da der Aufenthalt in diesen Gebieten mit realen Gefahren für Leib und Leben verbunden ist, wird hier darauf nicht weiter eingegangen - wer in diese Gegenden fahren will, sollte sich unbedingt in einschlägigen Internetforen (z.B. Wüstenforen) und sicherheitshalber auch noch vor Ort selbst in Polizeistationen über die aktuellen Bedingungen und Verhältnisse informieren! Fahrten über die Hauptstraßen in Orte am Chott El-Jerid (z.B. Tozeur, Kebili, Matmata) sind auch mit normalen PKWs möglich und ungefährlich, jedoch während der Sommermonate in Tunesien wegen der großen Hitze nicht empfehlenswert. Seit dem Jahre 2011 ist die Lage in Tunesien diesbezüglich unsicher, man sollte generell auf alle Fahrten in die Grenzregionen Tunesiens zu Algerien und Libyen verzichten! |
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