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Straßenverkehr in Tunesien (1)

Straßenverkehr - Verkehrszeichen - Tanken - Parken - Nachtfahrten



Straßenverkehr in Tunesien

Die Verkehrsregeln in Tunesien entsprechen im wesentlichen denen in Europa - die Verkehrsrealität allerdings mitunter gar nicht.
Dennoch – ein umsichtiger Fahrer wird auch in Tunesien nur wenige Probleme haben, ein Fahrzeug unbeschadet durch den Verkehr zu bewegen.

Obwohl vielen Tunesien-Besuchern Wörter wie "Chaos" oder "lebensmüde Fahrer" auf der Zunge liegen, ist die Wirklichkeit nur halb so wild.
Die meisten Urlauber-Erfahrungen im Straßenverkehr von Tunesien rühren vom Mitfahren in Taxis oder Autobussen oder als Fußgänger her und sind normalerweise eher oberflächlich.

Zwar gibt es, wie oben gesagt, auch in Tunesien Verkehrsregeln, doch in der Realität werden diese von allen Verkehrsteilnehmern mehr oder weniger nicht beachtet.
Das ist im Prinzip auch kein Problem, wenn man es weiß - doch der Urlauber aus Europa, speziell aus Deutschland, erwartet auch in Tunesien besondere Ordnung im Straßenverkehr.

Auf der anderen Seite, um bei der deutschen Gesetzgebung zu bleiben, sind viele der Paragraphen der deutschen Straßenverkehrsordnung eher auf Disziplinierung der Verkehrsteilnehmer, als auf eine praktische Regulierung ausgelegt.
Diese Disziplinierung ist so weit ausgereift, daß ein Deutscher selbst mitten in der Nacht auf einer menschenleeren Straße das Rot einer Lichtzeichenanlage beachtet, was bei ausländischen Besuchern, selbst aus europäischen Staaten, meist für große Heiterkeit sorgt.


Nicht so in Tunesien - hier gibt es zwar Regelungen, doch werden die von allen Verkehrsteilnehmern (und der Polizei) auch an ihrer praktischen Brauchbarkeit in der jeweiligen Situation gemessen.

So ist es durchaus nicht ungewöhnlich in Tunesien, daß auf einer zweispurigen Straße im Stoßverkehr die Autos in vier Spuren fahren, daß bei einer Blockierung der Straße sich die Autos wie bei einer Ameisenstraße blitzschnell einen neuen Weg, notfalls auch über Bürgersteige und Brachland, suchen, daß Ausweichmanöver quer über die Straße stattfinden können, daß Einbahnstraßen in beiden Richtungen durchfahren werden und eine Lichtzeichenanlage (Ampel) nur dann Beachtung findet, wenn noch andere Fahrzeuge in der Nähe sind.

Die Straßen in Tunesien werden gleichzeitig von Lastwagen, Autobussen, Personenwagen, Pferdekutschen, Eselkarren, Fahrradfahrern, Motorradfahrern, Mopedfahreren, Go-Karts, vierrädrigen Geländemotorrädern (Quads), Motor-Rikschas (Tuk-Tuk), und mehr oder weniger freilaufenden Menschen und Tieren benutzt, die oft sehr gute, doch manchmal auch sehr schlechte Fahr- oder Reaktionsqualitäten besitzen.
In der Nacht sind diese tunesischen Verkehrsteilnehmer dann entweder beleuchtet, teilbeleuchtet (nur vorne, nur hinten, nur eine Seite, etc.) oder gar nicht beleuchtet.

Dies sorgt dafür, daß man in Tunesien nur "hellwach" und jederzeit reaktionsbereit am Verkehr teilnehmen sollte, denn man muß ständig die anderen Verkehrsteilnehmer beobachten und ihre möglichen Verhaltensweisen extrapolieren - wobei einige Verkehrsteilnehmer hier über einen schier unerschöpflichen Einfallsreichtum verfügen, der auch vor dem unvermittelten Halten und Parken mitten auf der Überholspur einer Durchgangsstraße (noch lange) nicht halt macht.

Auch der Beobachtung der Straßenoberfläche und der anliegenden Häuser muß man in Tunesien Beachtung schenken, will man nicht als Autofahrer mit seinem Kleinwagen in einem Schlagloch verschwinden, nach elegantem Sprung mit seinem Auto mitten in einer nicht ausgeschilderten Baustelle landen, oder als Fußgänger oder Zweiradfahrer (oder Cabrio-Lenker) durch eine Hausfrau, die ihre Etagenwohnung wäscht und das Wasser über den Balkon auf die Straße ableitet, geduscht werden.

Durch dies alles, so sollte man meinen, würde die Teilnahme am Straßenverkehr in Tunesien besonders gefährlich werden - doch das Gegenteil ist der Fall (wobei man jedoch nicht verschweigen darf, daß Tunesien zu den Ländern mit der höchsten Anzahl Toter pro Bevölkerungseinheit zählt!).

Anders als z.B. in Deutschland, wo sich jeder darauf verläßt, daß sich andere an Regelungen halten und entsprechend unbesorgt daherfährt oder die Straße überquert, verhält man sich in Tunesien stets vorsichtig und mißtrauisch gegenüber anderen, was zu einer ständigen Brems- und Ausweichbereitschaft führt.

Allerdings rechnet auch jeder damit, daß sich der andere zumindest rational verhält und z.B. nicht vor einem herannahenden Auto plötzlich die Straße überquert (auch nicht auf einem Zebrastreifen), bei der Straßenüberquerung oder dem Autofahren nicht unvermittelt stehenbleibt oder die Richtung ändert oder ohne triftigen Grund z.B. stark abbremst (Stopschildern und Ampeln allein sind kein triftiger Grund, doch Straßenschwellen dagegen sind es!).

Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, wird man in Tunesien problemlos zu Fuß selbst vielbefahrene Straßen überqueren und als Autofahrer ohne ständiges Anhalten den Stadtverkehr meistern können.

Ein spezielles Merkmal des Straßenverkehrs in Tunesien ist der häufige Gebrauch der Autohupe.
Sie wird bei allen möglichen Gelegenheiten betätigt, um andere Verkehrsteilnehmer zu größerer Eile aufzufordern, um Bekannte zu grüßen und auch, um potentielle Fahrgäste auf einen freien Platz in einem Sammeltaxi oder Taxi aufmerksam zu machen (nachts mit Lichthupe).
Was genau beim Hupen gemeint ist, erschließt sich meist aus der aktuellen Situation, in manchen Fällen aber auch nie...

In Tunesien reicht der europäische (deutsche Karten-) Auto-Führerschein aus, um ein Auto zu fahren (und zu mieten).

In Tunesien ist auf den Vordersitzen (seit April 2017) und auf den Rücksitzen (seit Januar 2018) die Benutzung von Sicherheitsgurten vorgeschrieben.

Verkehrszeichen in Tunesien

Bitte lesen Sie hierzu unsere kommentierte Übersicht der wichtigsten tunesischen Verkehrszeichen.


Nachtfahrten in Tunesien

Diejenigen, die noch über keine oder nur wenig Fahr-Erfahrung in Tunesien verfügen, sollten auf Überlandfahrten bei Nacht verzichten und generell ab Einbruch der Dunkelheit erhöhte Vorsicht walten lassen, da stets mit schlecht, aber auch mit völlig unbeleuchteten Fahrzeugen (und Tieren, auch Menschen) zu rechnen ist, die auch auf Autobahnen, und dort auf den regulären Fahrspuren, unterwegs sein können.

Zudem ist nachts, speziell in Gegenden mit regem Nachtgeschäft, mit angetrunkenen Fahrzeugführern und Fußgängern zu rechnen.

Zweiradfahrer, auch motorisierte, fahren tagsüber gar nicht und nachts nur sehr selten mit Licht.

Parken in Tunesien

In den Innenstädten und an Märkten gibt es Parkplätze, die privat bewirtschaftet werden.
Hier wird in den meisten Fällen eine Gebühr von 500 Millimes für das Parken erhoben, die beim Abstellen des Fahrzeuges entrichtet werden muß.

Parkuhren oder Parkscheiben sind in Tunesien weitgehend unbekannt.


Tanken in Tunesien

Es gibt in Tunesien in jedem größeren Ort mindestens eine Tankstelle, die jedoch nachts meist geschlossen hat.

Üblicherweise sind an Tankstellen bleifreies und bleihaltiges Benzin und Diesel, nur sehr selten auch Gas, erhältlich, es kann jedoch vorkommen, daß eine Sorte gerade ausverkauft ist.
Speziell bei Nachtfahrten und bei Überlandfahrten sollte man sich nicht darauf verlassen, jederzeit eine geöffnete Tankstelle zu finden und entsprechend frühzeitig nachtanken.

Fast alle Tankstellen sind Service-Tankstellen, bei denen es keine Selbstbedienung gibt, sondern der Tankwart das Benzin einfüllt und auch andere kleine Dienstleistungen (Öl, Luftdruck, Wasser, Scheibenreinigung) anbietet.

Anders als in Europa, sind Tankstellen in Tunesien nur in Ausnahmefällen "Supermärkte", es gibt also normalerweise dort weder Zigaretten, noch Eßwaren oder Zeitschriften, sondern nur Benzin, Öl und Gas (und Gasflaschen für den Gasherd).

Lesen Sie auch: Straßenverkehr in Tunesien (Teil 2)



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